Kundgebung am 17. Mai 2016 in Ingolstadt

Kundgebung gegen die Zustände in den Abschiebelagern in Ingolstadt

Am Dienstag, den 17.05.2016 fand vor dem Kaufhof in der Ingolstädter Innenstadt eine Kundgebung „In Solidarität mit den Ingolstadt-5allewisch (Groß)Menschen im Abschiebelager“ statt. Menschen, die in den Dependancen P3 (Manchinger Straße) und Marie-Cürie-Straße der Ankunfts- und Rückführungseinrichtung interniert sind, fürchten für diesen Mittwoch ihre Abschiebung. Beim Informationszelt des Netzwerkes „No Deportation- Nowhere“, welches zweiwöchentlich in Ingolstadt in Kooperation mit dem bayerischen Flüchtlingsrat aufgebaut wird, wurde von Betroffenen die Idee entwickelt, einen Protest zu starten. Es ist das Ziel, auf die katastrophalen Bedingungen in den Abschiebelagern in Ingolstadt und auf die Aussichtslosigkeit der Situation in den Lagern aufmerksam zu machen.

„Wir wollen Gerechtigkeit in Deutschland“

stand auf einem der Stoffbanner welche auf dem Boden ausgelegt waren. Asylverfahren werden in den Ankunfts- und Rückführungseinrichtungen nur pro forma durchgeführt, de facto werden diese ohne individuelle Betrachtung durchweg negativ beschieden. Zum Teil bekommen Personen auch schon vor Erhalt eines negativen Bescheides über ihr Asylverfahren von der Ausländerbehörde Grenzübertrittsbescheinigungen ausgestellt und werden zudem in rassistischer Manier darauf hingewiesen, dass sie ohnehin keine Perspektive auf einen Aufenthalt in Deutschland hätten und bald wieder „da wären wo sie herkommen“. Aufenthaltsgestattungen werden für die in den Ankunfts- und Rückführungseinrichtungen internierten Personen ohnehin nur zweiwöchentlich ausgestellt, wodurch die Personen mittels der ständigen Behördentermine drangsaliert werden. Für viele bedeutet dies auch konstante Ungewissheit darüber, wie sich die eigene Situation in den nächsten Tagen oder Wochen verändern wird.

Nun steht 24 Stunden am Tag eine Security-Person vor meiner Zimmertür

Wütend sind die Menschen insbesondere über die Präsenz des Sicherheitspersonals und die ständigen Ausweiskontrollen: „Ich lebe seit Jahren in Deutschland, ohne Überwachung und habe nie etwas getan, nun steht 24 Stunden am Tag eine Security-Person vor meiner Zimmertür, als wäre ich ein Terrorist“, so einer der Kundgebungsteilnehmer.

Leben in einer schikanösen Umgebung

Auch der Zugang zu medizinischer Versorgung ist eingeschränkt, was die Situation der Lagerinsass*innen erschwert. Während der Kundgebung kritisierten Betroffene die unzureichende Versorgung in P3. Das Kantinenessen stellt für Kinder eine große Belastung dar, da dieses nur dreimal täglich ausgegeben wird und kein konstanter Zugriff auf heißes Wasser für die Zubereitung von Babynahrung gewährleistet wird. Verboten ist es außerdem, gekaufte Lebensmittel mit in den Lagerbereich zu nehmen. Die in Deutschland bestehende Schulpflicht ist für die betroffenen Kinder ausgesetzt. Stattdessen wird ersatzweise auf wenige Stunden am Tag reduzierter Unterricht in Englisch angeboten, mit dem Hinweis, dass dadurch eine weitere „Integration“ der Kinder vermieden werden solle. In Anbetracht der Tatsache, dass viele der Kinder perfekt Deutsch sprechen mutet dies zynisch an und kann nur als weitere Form der Schikane bewertet werden.

Wir werden versuchen, den Menschen auch in den nächsten Wochen mit zu ermöglichen, sich auszudrücken und hoffen, dass der Protest der Menschen in den Abschiebelagern auch von der Öffentlichkeit gehört wird.

Ingolstadt-3allewisch (Groß) (2)

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