Redebeitrag bei der Kundgebung von “Black Lives Matter” in Regensburg am 06.06.2020

Minneapolis, Rennes, Schwandorf, Solingen, Eberswalde, Nürnberg, Hanau, Celle – die Liste rassistischer Tatorte ließe sich noch schmerzhaft lange fortsetzen.

Das Problem sind jedoch nicht nur offensichtliche Polizeigewalt oder rassistische Terroranschläge, sondern auch subtilere Formen von Rassismus. Rassismus ist eben keine Ausnahmeerscheinung, ist weit mehr als ein individuelles Vorurteil und nicht ausschließlich das Problem absichtsvoll handelnder Einzeltäter*innen. Rassismus schlägt sich auch im institutionellen und strukturellen Bereich nieder. Schlechterer Zugang und Diskriminierung bei medizinischer Versorgung, verhinderte Bildungsmöglichkeiten usw. – die gesellschaftliche Ausgrenzung bedingt unter anderem auch eine ungleiche Verteilung von Ressourcen und Teilhabechancen.

In der Erzählung der deutschen Bevölkerung als einer weißen Nation werden afrodeutsche Menschen und Personen of Color automatisch als nicht zugehörig zu Deutschland gezeichnet und jeden Tag aufs Neue als fremd markiert.

Dieses “Wir-gegen-die-Anderen”, diese soziale Markierung als nicht zugehörig, dieser rassistische Nationalismus führt auch dazu, dass insbesondere Menschen, die nicht weiß sind, an der Migration nach Deutschland gehindert werden – koste es, was es wolle. Nicht ohne Grund ertrinken Tausende im Mittelmeer, während die Waren, die in vielen Herkunftsländern unter unmenschlichen und ausbeuterischen Zuständen für den europäischen Markt produziert werden, ungehindert weiter fließen dürfen. Nicht ohne Grund müssen Menschen in Massenunterkünften für geflüchtete Menschen in Bayern an einer Coronainfektion sterben. Schwarze Leben zählen hier einfach nicht!

Im Prinzip fordern wir nicht viel: Die Anerkennung des Menschseins und der Menschenwürde von Schwarzen Menschen! Zugespitzt formuliert ist die Forderung: Mensch werden statt deutsch sein!

In Trauer um die Opfer des deutschen Rassismus möchten wir nun einige Namen von Ermordeten verlesen – im Wissen darum, dass die Aufzählung unvollständig ist und leider endlos wäre, würde sie versuchen es zu sein. Rest in Power:

  • Mehmet, Fatma und Osman Can – getötet durch den Brandanschlag eines Neonazis am 17.12.1988 in Schwandorf.
  • Amadeu António Kiowa – zu Tode geprügelt von Neonazis am 24.11.1990 in Eberswalde.
  • Gürsün İnce, Gülüstan Öztürk sowie Hatice, Hülya und Saime Genç – getötet durch einen rassistischen Brandschlag in Solingen am 29.05.1993, einer der vier Täter war der 16-jährige Nachbarsjunge der Familie Genç.
  • Achidi John – starb in Polizeigewahrsam am 12.12.2001 in Hamburg unter dem Stress der Zwangsverabreichung eines Brechmittels durch Polizeibeamte. Der Tod blieb ohne strafrechtliche Konsequenzen für die Täter.
  • Laye Alama Condé – starb in Polizeigewahrsam in der Silvesternacht 2004/2005 in Bremen in Zusammenhang mit der Zwangsverabreichung von Brechmitteln durch Polizeibeamte.
  • Oury Jalloh – von Polizeibeamten misshandelt, gefesselt und verbrannt am 07.01.2005 in einer Polizeizelle in Dessau.
  • Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat – ermordet zwischen 2000-2007 durch drei Mitglieder des NSU-Komplex.
  • Hussam Fadl – erschossen von Polizeibeamten während einer Festnahme am 27.09.2016 vor einem Geflüchteten-Lager in Berlin-Moabit.
  • Chousein Daitzik, Selcuk Kilic, Sabina Sulaj, Armela Sehashi, Giuliano Kollmann, Leyla Can, Sevda Dağ, Janos Rafael, Dijamant Zabergja – erschossen bei einem rassistischen Anschlag am 22.07.2016 an und im Olympia-Einkaufszentrum in München.
  • Amad Ahmad – 2018 in einer Zelle der JVA Kleve verbrannt. Ermittlungen wurden eingestellt. Bei der Inhaftierung handelte es sich um eine Verwechslung mit einer anderen Person, dieser Fakt wurde den Behörden vor seinem Tod klar.
  • Rooble Warsame – am 26.02.2019 unter bislang ungeklärten Umständen in Polizeigewahrsam zu Tode gekommen. Er flüchtete aus Somalia hierher, um zu leben.
  • Aman Alizada – erschossen durch Polizeibeamte am 17.08.2019 in Stade.
  • Sedat Gürbüz, Mercedes Kierpacz, Hamza Kenan Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Said Nessar Hashemi, Gökhan Gültekin, Ferhat Unvar – getötet durch einen Rechtsterroristen bei einem rassistisch motivierten Anschlag am 19.02.2020 in Hanau.
  • Arkan Hussein Khalaf, am 06.04.2020 in Celle im Alter von 15 Jahren ermordet. Er war vor dem IS-Genozid geflohen. Der als Täter Verdächtigte pflegt eine Nähe zu rechtsextremen Verschwörungstheorien. Die Polizei vermutet dennoch kein politisches Motiv.

Das Problem heißt Rassismus!

Oury Jalloh – Das war Mord!

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